Soziale Ungleichheit

Die sozioökonomische Lage älterer Menschen hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert. Das durchschnittliche Nettojahreseinkommen von Pensionist/innen liegt in Österreich knapp unter den Nettojahreseinkommen der unselbständig Erwerbstätigen. Auch wenn die Verarmung älterer Menschen nach wie vor ein gesellschaftliches Problem darstellt, kann allgemein davon ausgegangen werden, dass Pensionist/innen heute eine vergleichsweise gut abgesicherte Bevölkerungsgruppe sind. Speziell in Bezug auf Hochaltrige ist hier jedoch zu berücksichtigen, dass einerseits ein Unterschied zwischen älteren und jüngeren Senior/innen hinsichtlich ihres Einkommens besteht, jüngere also deutlich mehr finanzielle Ressourcen zur Verfügung haben als ältere. Und andererseits, dass Einkommen auch innerhalb der Gruppe der Hochaltrigen selbst sehr ungleich verteilt sind. Sozioökonomische Ungleichheiten nehmen also bis ins hohe Alter tendenziell zu.

Unter den TeilnehmerInnen der ÖIHS können etwas mehr als 8% als von Altersarmut betroffen eingestuft werden. Diese Personen haben ein Haushaltseinkommen von weniger als 1000€ im Monat zur Verfügung. Dabei zeigt sich eindeutig, dass ein ungleich höheres Armutsrisiko für Personen mit niedriger Bildung besteht. Auch Frauen sind deutlich häufiger von Altersarmut betroffen als Männer.

Altersarmut nach Bildung und Geschlecht

Altersarmut (Einkommen < 1000€/Monat) nach Bildung und Geschlecht

Ein maßgeblicher und tiefgreifender Effekt sozialer Ungleichheit ist, dass diese enorme Auswirkungen auf die Gesundheit im hohen Alter hat und auf die Wahrscheinlichkeit, altersassoziierte Erkrankungen zu entwickeln. Wie die Ergebnisse der ÖIHS verdeutlichen, sind Menschen im hohen Alter umso gesünder, je höher ihre Bildung und ihr Einkommen sind. Personen mit niedriger Bildung und niedrigem Einkommen sind hingegen wesentlich häufiger und stärker von altersbedingten gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffen.

Gesundheitszustand nach sozioökonomischem StatusGesundheitszustand nach sozioökonomischem Status, Teil 1

Sie haben tendenziell mehr chronische Krankheiten (Multimorbidität), leiden häufiger und unter stärkeren Schmerzzuständen und sind stärker von Mobilitätseinschränkungen betroffen als sozial bessergestellte Personen. Entsprechend den größeren gesundheitlichen Einbußen im Vergleich zu Hochaltrigen mit höherem sozioökonomischem Status, schätzen Hochaltrige mit niedrigem Sozialstatus auch ihren Gesundheitszustand überwiegend schlechter ein. Hinzu kommen stärkere Beeinträchtigungen im Bereich der psychischen Gesundheit: So weisen etwa Hochaltrige mit niedrigem sozioökonomischem Status häufiger Depressionssymptome auf als sozial bessergestellte Personen.
Die ausgeprägten gesundheitsbezogenen Unterschiede zwischen sozial besser und schlechter situierten Hochaltrigen legen die Vermutung nahe, dass Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status grundsätzlich eine geringere Wahrscheinlichkeit haben, ein hohes Alter zu erreichen, als solche mit hohem Sozialstatus.

Gesundheitszustand nach sozioökonomischem Status, Teil 2

Gesundheitszustand nach sozioökonomischem Status, Teil 2

Besonders große Differenzen ergeben sich mit Blick auf die kognitiven Tests: Hier schneiden niedrig gebildete Personen ungleich schlechter ab als höher gebildete, was auf ein höheres Demenzrisiko für Menschen aus niedrigeren sozialen Schichten schließen lässt.

Kognitive Defizite (Demenz) nach sozioökonomischem Status

Kognitive Defizite (Demenz) nach sozioökonomischem Status

Wie die Studie ebenfalls zeigt, besteht bei diesen Personen auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, bei Pflegebedürftigkeit in ein Pflegeheim zu kommen, während Personen aus höheren sozialen Schichten offenbar über mehr Handlungsspielräume hinsichtlich privater Pflegearrangements verfügen.

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