Multimorbidität und Polypharmazie
Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für funktionale Einschränkungen an. Ebenso entstehen und akkumulieren im höheren Alter chronische Erkrankungen. Treten zwei oder mehr chronische Krankheiten gemeinsam auf, spricht man in der Geriatrie von „Multimorbidität“. Die zunehmende Morbidität im Alter ist wiederum begleitet von einer häufigeren Anwendung von Medikamenten, was bei einer bestehenden Multimorbidität das Risiko für Wechsel- und Nebenwirkungen beträchtlich erhöht. Multimorbidität wirkt sich daher negativ auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Inanspruchnahme von Unterstützungs- und Pflegeleistungen aus.
Nach der im Rahmen des geriatrischen Assessments durchgeführten Krankheitsanamnese sind 59% der Teilnehmer/innen multimorbide. Lediglich 17,4% sind frei von chronischen Krankheiten.
Multimorbidität und Polpharmazie (ÖIHS IV 2023/24)
Durch die steigende Wahrscheinlichkeit von Multimorbidität im höheren Alter ergibt sich das Problem der Polypharmazie, d.h. der regelmäßigen Einnahme von mehreren Medikamenten. Von Polypharmazie wird in der Geriatrie ab der gleichzeitigen Verordnung von mehr als fünf verschiedenen Substanzen gesprochen. Mit der höheren Anzahl von Medikamenten steigt auch das Risiko für Wechselwirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen, die sich negativ auf die Funktionalität und die Lebensqualität hochaltriger Menschen auswirken können.
Unter den Teilnehmer/innen der ÖIHS betrifft Polypharmazie immerhin jede/n Vierte/n (39,8%). Rund 12% nehmen sogar mehr als zehn Medikamente regelmäßig ein. Besonders in Pflegeheimen sind die Medikationsraten überdurchschnittlich hoch und liegen in weniger als der Hälfte aller Fälle unter zehn Medikamenten. Auch ist dort eine relativ häufige Verabreichung von psychotropen Substanzen zu konstatieren.
Anzahl ärztlich verordneter Medikamente (ÖIHS IV 2023/24)
Das Problem der Polypharmazie erfordert in Zukunft verstärkte Aufmerksamkeit, wobei vor allem eine intensivere Auseinandersetzung mit Wirkung, Wechselwirkung und Verträglichkeit von Medikamenten bei älteren und insbesondere hochaltrigen Personen notwendig erscheint. Die Erstellung und Verbreitung von Listen mit potentiell inadäquaten Medikationen für ältere Menschen (etwa die Österreichische „PIM Liste“) stellt hier eine erste positive Entwicklung dar.
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