Multimorbidität und Polypharmazie

Durch die steigende Wahrscheinlichkeit von Multimorbidität im höheren Alter ergibt sich das Problem der Polypharmazie, d.h. der regelmäßigen Einnahme von mehreren Medikamenten. Von Polypharmazie wird in der Geriatrie ab der gleichzeitigen Verordnung von mehr als fünf verschiedenen Substanzen gesprochen. Mit der höheren Anzahl von Medikamenten steigt auch das Risiko für Wechselwirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen, die sich negativ auf die Funktionalität und die Lebensqualität hochaltriger Menschen auswirken können.

Unter den TeilnehmerInnen der ÖIHS betrifft Polypharmazie immerhin fast die Hälfte. Jede/r Achte nimmt sogar zehn und mehr Medikamente regelmäßig ein. Besonders in Pflegeheimen sind die Medikationsraten überdurchschnittlich hoch und liegen nur in etwas mehr als der Hälfte aller Fälle unter zehn Medikamenten. Auch fällt dort die relativ häufige Verabreichung von psychotropen Substanzen auf.

Anzahl ärztlich verordneter Medikamente

Anzahl ärztlich verordneter Medikamente

Hochaltrigkeit Medikamente im Pflegeheim

Anzahl Medikamente im Pflegeheim

Hochaltrigkeit Anzahl Medikamente im Privathaushalt

Anzahl Medikamente im Privathaushalt

Das Problem der Polypharmazie erfordert in Zukunft verstärkte Aufmerksamkeit, wobei vor allem eine intensivere Auseinandersetzung mit Wirkung, Wechselwirkung und Verträglichkeit von Medikamenten bei älteren und insbesondere hochaltrigen Personen notwendig erscheint. Die Erstellung und Verbreitung von Listen mit potentiell inadäquaten Medikationen für ältere Menschen (etwa die Österreichische „PIM Liste“) stellt hier eine erste positive Entwicklung dar.

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