Pflege und Betreuung

Mehr als ein Drittel der hochaltrigen Teilnehmer/innen gibt an, im Alltag aufgrund ihres Alters oder ihres Gesundheitszustandes auf unterschiedliche Formen von Unterstützung oder Hilfe angewiesen zu sein. Überwiegend handelt es sich dabei um Hilfe im Haushalt oder um verschiedene Formen der Betreuung und Begleitung. 16,1% sind auf Pflege im engeren Sinne angewiesen (z.B. Hilfe bei der Körperpflege). 8,2% der Teilnehmer/innen leben in einem Pflegeheim. Hochaltrige Frauen sind dabei deutlich häufiger auf Hilfe im Alltag angewiesen als hochaltrige Männer.

Hilfebedarf – gesamt und nach Geschlecht (ÖIHS IV 2023/24)

Rund 18% der in Privathaushalten lebenden hochaltrigen Frauen und Männer nehmen Leistungen von sozialen Diensten wie Heimhilfe, Hauskrankenpflege oder Essen auf Rädern in Anspruch.

Formelle Unterstützungsleistungen (ÖIHS IV 2023/24)

Ein großer Teil erhält (auch) informelle Unterstützung durch Angehörige oder andere nahestehende Personen, vor allem von den eigenen Kindern (insbesondere den Töchtern) und der Partnerin bzw. dem Partner.

Ein interessantes Ergebnis der ÖIHS im Zusammenhang mit Pflege und Betreuung ist, dass Fragen der persönlichen Pflegevorsorge für die hochaltrigen Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer eine relativ geringe Rolle spielen und von diesen oft sogar mehr oder weniger bewusst gemieden werden. Vergleichsweise wenige der befragten Hochaltrigen verfügen etwa über eine Vorsorgevollmacht, eine Patientenverfügung oder andere schriftliche Vollmachten, mit denen sie für den Fall eines möglicherweise eintretenden Verlustes der Geschäftsfähigkeit oder von Pflegebedürftigkeit vorsorgen könnten.

Wie insbesondere aus qualitativen Studien im Rahmen der ÖIHS hervorgeht, beschäftigen sich hochaltrige Menschen generell sehr ungern mit Fragen der Pflege und Betreuung – jedenfalls solange diese Fragen noch nicht akut sind. Überlegungen werden häufig „im stillen Kämmerlein“ angestellt, mit Angehörigen wird in vielen Fällen kaum oder gar nicht über konkrete Sorgen oder Wünsche hinsichtlich einer in Zukunft eventuell notwendigen Betreuung gesprochen. Dies verweist darauf, dass Pflege und Betreuung nach wie vor sehr stark tabuisierte Themen sind.

Hinsichtlich Vollmachten und Verfügungen zeigt sich auch ein signifikanter Zusammenhang mit der Bildung – je höher der Bildungsgrad, desto häufiger liegen eine Vorsorgevollmacht und/oder eine Patientenverfügung vor. Dies deutet auf einen niedrigeren Grad der Informiertheit in niedrigeren Bildungsschichten hin.

Vollmachten und Verfügungen, nach Bildung (ÖIHS IV 2023/24)

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