Internetnutzung

Die Digitalisierung durchdringt zunehmend alle Lebensbereiche und wird vielfach als Motor gesellschaftlicher Modernisierung verstanden. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass diese Entwicklung nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen erreicht. Insbesondere hochaltrige Menschen sind von der digitalen Transformation vielfach ausgeschlossen oder können nur eingeschränkt daran teilhaben. Auch die ÖIHS-Daten verdeutlichen, dass digitale Ungleichheit im Alter kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Problem darstellt, das sowohl soziale Teilhabe als auch den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen betrifft.

Zwar ist in den letzten Jahren ein deutlicher Anstieg der technischen Infrastruktur zu beobachten. So verfügen mittlerweile mehr als die Hälfte der hochaltrigen Menschen in Privathaushalten über einen Internetanschluss. Dieser Fortschritt darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Zugang allein nicht gleichbedeutend mit Nutzung ist. Tatsächlich nutzt nur eine Minderheit der Hochaltrigen das Internet regelmäßig. Rund 40 Prozent geben an, zumindest gelegentlich online zu sein, während lediglich ein Viertel das Internet täglich verwendet. Insgesamt nutzt mehr als die Hälfte dieser Altersgruppe das Internet überhaupt nicht. Damit bleibt die digitale Teilhabe im hohen Alter deutlich hinter anderen Bevölkerungsgruppen zurück.

Internetzugang und Internetnutzung (ÖIHS IV 2023/24)

Auch hinsichtlich der Art der Nutzung zeigen sich klare Einschränkungen: Hochaltrige Menschen verwenden das Internet vor allem für grundlegende Funktionen wie E-Mail-Kommunikation, Informationssuche oder das Lesen von Nachrichten. Interaktive oder komplexere Anwendungen wie Online-Banking, Videotelefonie, soziale Netzwerke oder Online-Shopping sind deutlich weniger verbreitet. Nur ein kleiner Anteil nutzt also zentrale digitale Dienste, die in vielen Bereichen bereits als Standard gelten. Dies unterstreicht, dass digitale Kompetenzen im hohen Alter oft selektiv und funktional begrenzt bleiben.

Besonders problematisch ist die ungleiche Verteilung digitaler Teilhabe innerhalb der Gruppe der Hochaltrigen. Geschlecht, Bildung und Wohnort (Stadt/Land) erweisen sich als zentrale Einflussfaktoren. Männer nutzen das Internet deutlich häufiger als Frauen, während Frauen überdurchschnittlich oft zu den Nicht-Nutzerinnen zählen. Noch ausgeprägter sind die Unterschiede nach Bildungsniveau: Hochaltrige mit höherer Bildung verfügen wesentlich häufiger über Internetzugang und nutzen diesen auch deutlich intensiver. Für Personen mit niedriger Bildung hingegen ist digitale Teilhabe die Ausnahme – ein Großteil von ihnen bleibt vollständig offline. Auch der Wohnort spielt eine Rolle – mit einer deutlich geringeren Verbreitung von Internet-zugang und Internetnutzung in ländlichen Regionen.

Internetzugang und Internetnutzung – nach Geschlecht, Bildung und Stadt/Land (ÖIHS IV 2023/24)

Diese digitale Kluft hat weitreichende Konsequenzen. In einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft werden zentrale Dienstleistungen – von Behördenwegen über Bankgeschäfte bis hin zu Mobilitätsangeboten – verstärkt online abgewickelt. Für hochaltrige Menschen ohne ausreichende digitale Kompetenzen entstehen dadurch neue Barrieren im Alltag. Hinzu kommt eine soziale Dimension: Wer digitale Kommunikationsmittel nicht nutzt, hat weniger Möglichkeiten zur sozialen Vernetzung und läuft Gefahr, stärker isoliert zu werden.

Besonders deutlich wird die Problematik auch durch qualitative Befunde: In der aktuellen ÖIHS-Fokusstudie, in der gezielt nach Erfahrungen mit Altersdiskriminierung gefragt wurde, wurde die fortschreitende Digitalisierung am häufigsten als jener gesellschaftliche Bereich genannt, in dem sich die Befragten benachteiligt fühlen. Digitalisierung wird somit nicht nur als technische Herausforderung wahrgenommen, sondern als Feld erlebter Ungleichbehandlung im Alter. Viele der Befragten schildern dabei ein Gefühl von erzwungener Alternativlosigkeit: Entweder sie passen sich digitalen Anforderungen an, mit denen sie sich häufig überfordert fühlen, oder sie laufen Gefahr, von immer mehr gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen zu werden.